Die 4 Säulen der Homöopathie

Die Wirkungsprinzipien:

1. Similia similibus curentur – Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt
2. Die Herstellung des Arzneimittels durch „Potenzierung“ einer Substanz
3. Die Arzneimittelprüfung am Gesunden
4. Die Individualisierung


1. Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt
Was geschieht, wenn Sie im Winter mit eiskalten Händen ins Haus kommen und sie mit warmem Wasser „auftauen“ wollen? Es schmerzt und man lässt es schnell. Aber kaltes Wasser hilft.
Was geschieht, wenn Sie sich verbrannt haben (Verbrennung 1. Grades) und im ersten Impuls die betreffende Stelle unter kaltes Wasser halten? Es wird schnell besser, aber wehe Sie hören auf damit. Dann tut es umso mehr weh. Sie müssen sehr lange kühlen, um eine Verbesserung zu erreichen! Nehmen sie aber warmes Wasser oder besser noch erwärmten Alkohol (weil dieser dem Prinzip des Feuers weit besser entspricht) auf die Verbrennung, so wird die Stelle – nach einer kurzen, anfänglichen Verstärkung der Empfindung – um ein Vielfaches schneller schmerzfrei sein! Zudem geht die Wundheilung wesentlich schneller voran. (Schwere Verbrennungen müssen selbstverständlich sofort medizinisch bzw. im Krankenhaus versorgt werden!).
Behandlungen nach dem Ähnlichkeitsprinzip können wir bis in die Antike zurückverfolgen. Auch Paracelsus, der große Arzt des Mittelalters, arbeitete danach.
Hahnemann entdeckte es neu, erforschte und systematisierte es weiter. Der Beginn dieser Arbeit ist der so genannte „Chinarindenversuch“. Die Chinarinde war zu seiner Zeit bekannt als gutes Mittel gegen akute und chronische Fieberzustände. Hahnemann wollte mehr darüber wissen und begann, um die Wirkung besser beurteilen zu können, die Substanz hoch dosiert an sich selbst (im gesunden Zustand) auszuprobieren. Was geschah?
Es ging ihm – dem Gesunden – zunehmend schlechter; er wurde schwächer und er entwickelte Fieber mit starken Schweißanfällen. Es entstand schließlich ein Malaria-ähnliches Krankheitsbild. Es war erstaunlich: Ein bewährtes Mittel gegen Fieber brachte Fieber hervor! Ein Heilmittel machte ihn krank. Sein Schluss daraus: Was gesund macht kann auch krank machen, was krank macht kann auch heilen.
Darauf weist übrigens schon das griechische Wort Pharmakon hin. Es bedeutet bekanntlich Heilmittel als auch Gift. Hahnemann war fasziniert von dieser Idee.

2. Potenzierung
Bei der Einnahme „ähnlicher“ Substanzen tauxchte allerdings immer wieder ein Problem auf:  Die Reaktionen auf die Einnahmen der Substanzen, sowohl bei den Gesunden, also den „Prüfern“, als auch bei den Kranken waren mitunter viel zu heftig und für den Organismus sehr anstrengend. Um dies zu vermeiden, begann Hahnemann den jeweiligen Stoff immer mehr zu verdünnen. Die Ergebnisse wurde besser , er war aber immer noch nicht zufrieden.
Der entscheidende und wichtigste Schritt für die Homöopathie war schließlich die geniale Idee, die Ausgangssubstanzen schrittweise zu verdünnen und zu verschütteln, was er „potenzieren“ nannte.

Bei allen festen Substanzen begann er damit, diese mit Milchzucker im Verhätlnis 1:100 in einem Mörser zu verreiben. In der ersten Verreibungsstufe erhielt er die 1. „Potenz“, genannt C1. Jede weitere Stufe wurde immer wieder 1: 100 verdünnt. Ab C4 ersetzte Hahnemann den Trägerstoff Milchzucker durch 30 prozentigen Alkohol.
Wurden potenzierte Mittel verabreicht, waren die Reaktionen des Organismus – so Hahnemanns Bericht – in der Regel milder als bisher, die Wirkungen aber tiefer und länger anhaltend.
Was durch Potenzierung geschieht, ist der bedeutendste Schritt in der Homöopathie. Es ist gleichzeitig aber derjenige, der am schwersten zu verstehen ist.

Hahnemann nannte es die „geistartige Substanz“, die zum Vorschein kommt, wenn ein Stoff in vielen Schritten verdünnt und verschüttelt wird. Der „Geist“, die eigentliche Kraft eines homöopathischen Mittels wird aus der Materie gelöst und in Trägersubstanzen wie alkoholischer Lösung oder Milchzuckerkügelchen konserviert. Und genau dieser „Geist“ ist es, der wirkt, wenn das individuell passende Mittel gegeben wird.
Ein nicht leicht zu verstehender Begriff. Heute würden wir eher den Begriff „Information“ dafür benutzen. Im Sinne Hahnemanns hieße dies: In jedem Stoff steckt eine (Heil-)Information, die man verfügbar machen kann, indem man den Stoff potenziert. Die richtige Information, in Form einer homöopathischen Arznei, dem entsprechenden Kranken gegeben, kann, so seine revolutionäre Erkenntnis, den Genesungsprozess auslösen.

3. Die Prüfung am gesunden Menschen
Hahnemann wusste nun um den enormen Wirkungsunterschied zwischen materiell eingesetzter und potenzierter, homöopathischer Arznei!
In vielen weiteren Versuchen an sich selbst, mit Freunden und Kollegen und innerhalb seiner Familie erforschte er in der Folgezeit mehr und mehr potenzierte Stoffe aus der mineralischen, Tier- und Pflanzenwelt, auch solche, die bis dahin nicht als Arznei bekannt waren.
Dieser Vorgang ist damals wie heute der gleiche: Es werden von möglichst gesunden Menschen, den so genannten Prüfern, die homöopathischen Arzneimittel solange eingenommen bis (Krankheits-)Symptome auftreten. Diese werden sorgfältig notiert. Es entstehen auf diesem Wege, körperliche, Geistes- und Gemütssymptome. Zusammen ergeben sie das „Arzneimittelbild“ eines bestimmten Mittels. Wird nun der Homöopath von einem Kranken konsultiert, der ähnliche Symptome aufweist wie die, die ein geprüftes Mittel am Gesunden erzeugt hat, bekommt er die entsprechende Homöopathische Arznei verabreicht: Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt…
Auch nach Hahnemanns Tod wurde diese Arbeit fortgesetzt. Immer mehr Substanzen wurden erforscht, beschrieben und veröffentlicht. Wir nennen diesen Vorgang Arzneimittelprüfungen und verfügen heute über einen Schatz von über 3000 Arzneimittelbildern. Zusammen bilden sie das Fundament (die so genannte Materia Medica) für die Homöopathische Arbeit.

Seine Erfahrungen und Erkenntnisse hat Hahnemann in einer grundlegenden Schrift der Nachwelt hinterlassen. Es ist das „Organon der Heilkunst“. Bis heute bildet dieses Werk die Grundlage für die Methodik der klassischen Homöopathie.

4. Die Individualisierung
Homöopathen behandeln nicht die so genannte Krankheit. Was normalerweise als Krankheit bezeichnet wird, sieht die Homöopathie als die Symptome der Krankheit, als ihre Auswirkungen. Behandelt wird die gestörte „Lebenskraft“ des jeweiligen Menschen. Die individuellen und besonderen Zeichen und Symptome, benutzen wir als Wegweiser zum passenden Arzneimittel.
So ist es wahrscheinlich, dass zehn Menschen mit der gleichen Diagnose, beispielsweise Asthma, zehn unterschiedliche Mittel erhalten, je nach Eigenart, der individuellen Gesamtsymptomatik und der unterschiedlichen Ausprägung ihres Hauptleidens.

Behandelt wird nicht die Krankheit sondern der kranke Mensch, das Individuum.

Daher spielen Krankheitsnamen eine untergeordnete Rolle. Sehr wichtig jedoch sind die jeweilige Lebensgeschichte, die psychischen und sozialen Umstände und der Gemütszustand eines Patienten. Alle besonderen, persönlichen Eigenheiten können für die Wahl des Arzneimittels berücksichtigt werden.

Klassische Homöopathie ist eine äußerst individuelle Allgemeinmedizin.

Kommentare sind geschlossen.